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Historisches

Umringt von bewaldeten Höhen und Bergen, in einer lieblichen Talaue breitet sich unser Heimatort Wilthen aus. Gerade die schlichte Schönheit ist's, die alle fesselt. Der herrliche Bergwald mit seinen kühlen Schatten belebt das Landschaftsbild und je nach der Beleuchtung mal freundlich, mal aber auch ernst auf die Häuser herniederschauend! Eingebettet im Tal zwischen Mönchswalder Berg, großem Picho und den Weifaer Höhen mit dem Pan-Dietrich liegt Wilthen.



Der Butterwasser-Dorfbach durchfließt den Ort und mündet als Vorfluter der Spree im Nachbarort Rodewitz. Unser schöner weitläufiger und interessanter Ort Wilthen hat nicht nur Bewohner, die sich hier wohl fühlen und ihn lieben, sondern auch viele Freunde, Urlauber und Gäste, die unseren Ort besuchen und sich seiner erfreuen. Vieles ist über den Ort berichtet und geschrieben worden, so im Heimatbuch des Lehrers Flechtner (1922) und in Aufsätzen des Pfarrers Dr. Rentsch (vor 1911).

Das rasche Anwachsen unseres Ortes, insbesondere der Einwohner, veränderte das erstmals ursprüngliche wendische Bauerndorf aus dem 12. und 13. Jahrhundert zur jetzigen Stadt. Viele der jetzigen Einwohner kennen und besitzen diese Heimatbücher und Schriften. So wollen wir hier in Kurzform einen Abriss der historischen Ortsentwicklung geben. Die erste urkundliche Erwähnung Wilthens stammt aus dem 13. Jahrhundert, dem Jahr 1222. Wilthen hat aber bereits schon im 11. Jahrhundert bestanden und war damals aller Wahrscheinlichkeit nach die einzige Siedlung in dem von dichtbewaldeten Bergen eingeschlossenen Tale. Zweifellos haben Sorbenwenden den Ort gegründet. Er dürfte die am weitesten nach Süden liegende größere Siedlung gewesen sein. Man nimmt an, dass die Slawen nach der Völkerwanderung von Osten her ins Land rückten. Sie besiedelten zuerst waldarme Fluren und drangen dann auch an den Rand der Berge. Gründeten an geschützten Stellen ihre Weiler und rodeten Teile des Urwaldes. Eine günstige geschützt Stelle war, wo das Irgersdorfer Wässerchen in das Butterwasser mündet, im Niederdorf - Am Frühlingsberg - Talstraße. Hier dürfen wir uns die ersten Hütten des kleinen, gleichsam in einem warmen, waldumschlossenen Nest liegenden Weilers vorstellen. Einfach sahen sie aus - arm lebten die Bewohner, viele - viele Jahrhunderte vor aller moderner Technik. Einer der damaligen Siedler hatte sie herbeigeführt und ihnen diesen Siedlungsplatz vorgeschlagen. Nach diesem "Weleta" hieß der kleine Weiler im Gebirge "Weletin". Auf sorbisch heißt heute Wilthen "Wjelecin". Das war die slawische Gründung. Die Jahreszahl 1222 bildete den ersten Lichtstrahl im Frühlicht, auf Wilthen, damals Welintin. Welintin besaß damals schon eine Kirche. Diese sah bestimmt nicht stattlich aus, sondern wird wohl eine kleine, einfache, hölzerne Kapelle gewesen sein. Das ist so gut wie sicher. In den Folgejahren siedelten weitere Bauern an und weiteten sich nach Westen aus, immer links und rechts am Bach entlang. Besitzer von Wilthen waren in den weiteren Jahren stets Adelige / Ritter / Freiherren, ja sogar der Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen war von 1619 bis 1623 Besitzer. Diese waren stets die Herren des Dorfes. Die älteren Wilthener kennen den "Galgenberg". Es ist aber nicht nachzuweisen, ob der Galgen, welcher von der Anhöhe weithin schreckte, viel benutzt wurde. Die Einwohner mußten damals Frondienste leisten, täglich schwere Arbeit für die Herren des Dorfes - des Rittergutes.

1669 erhielt Wilthen die Markt- und Stadtgerechtigkeit verliehen. Es durften Vieh- und Topfmärkte stattfinden und lediglich fanden zwei Jahrmärkte statt, zu "Johannis" und zu "Michaelis". Seltsamerweise ist aber in den späteren Jahren niemals so recht davon Gebrauch gemacht worden. Aus dieser Zeit stammt das erste und älteste Gemeindesiegel. Durch Kriegsereignisse ging es verloren. Erst 1921 wurde ein neues Gemeindesiegel dienstlich verwendet. Wilthen hatte 1612 ein furchtbares Jahr. Die Einwohner litten unter einer großen Hungersnot. Birkenlaub roh und gekocht, Rinde geschabt wurde gegessen. Viele, viele sind gestorben. 1585 waren 148 Pestleichen zu beklagen. Es war damals eine schwere Zeit. 1631-1648 waren Kriegsunruhen, Plünderungen und Mißhandlungen an der Tagesordnung.

1741 wurde das Herrenhaus vom Hauptmann Adam Friedrich v. Braun im Rittergut erbaut, ein schlichtes, rechteckiges Gebäude mit einfachem Mansardendach. Recht beachtlich ist es, dass der einstmals wendisch - sorbische Bauerndorf in den weiteren Jahren schnell gewachsen ist. Im Jahr 1826 zählte man 600 Einwohner mit 100 Häusern. Sie trieben im wesentlichen Ackerbau. 1900 hatte Wilthen bereits 2.458 Einwohner mit 400 bewohnten Gebäuden. 1937 waren es 4.200 Einwohner mit 709 Wohngebäuden und 1.310 Haushalten. Im Jahr 1895 wurden in 61 gewerblichen Betrieben 197 Arbeiter beschäftigt, 1936 in 106 Betrieben 1.714 Arbeiter und Angestellte beschäftigt. Davon waren 1.117 aus Wilthen und 537 aus den Nachbargemeinden. Weinbrand Wilthen hat weit über die Grenzen der Lausitz hinaus einen guten Namen.

Recht interessant ist die Umwandlung vom Bauerndorf zum Industrieort und wie rasch das vor sich ging. Waren es in der Vergangenheit die Handwebstühle, welche in den Umgebindehäusern klapperten, entwickelten sich die mechanischen Webereien als Haupterwerbszweig. Die Handwebstühle verschwanden und die Weber gingen in die Fabriken. 1871 wurde die Spinnerei und Weberei C. G. Thomas gegründet. In den weiteren Jahren die Fabriken von O. P. Sperling, Ernst Grahl, Augustin u. Co., Hillmann u. Thonig, Martin Forken, die Schuhfabrik Kloas, die Koffer- u. Lederwarenfabrik Liebscher u. Stolle, die Baugeschäfte Hübner und Dietrich. Das Gesicht des Dorfes formte auch wesentlich die im Jahr 1842 gegründete Firma Hünlich mit der Herstellung von Bier und Branntwein. Was wurde nach 1900 so alles in den Wilthener Betrieben hergestellt? Scheuertücher, Packleinen, Frottierwaren, Schlafdecken, Wischtücher, Staubtücher, Badetücher, Erzeugnisse der Weinbrennerei, Rucksäcke, Gamaschen, Fahrradsatteldecken, Markttaschen, Tornister, Zeltbahnen und Zelte, Koffer und Kaschierwaren, Knöpfe und Perlen, Kämme, Kisten, Schuhe und Stiefel, Jalousien und Teigwaren. Papier und Pappen wurden von der Papiermühle Tschötsch, welche seit 1582 existiert, hergestellt. Interessant war auch die vielseitige Entwicklung der Gewerbebetriebe.

  

In Wilthen waren 9 Bäcker, 2 Friseure = Barbiere, 1 Buchbinder, 4 Fleischer, 1 Klempner, 1 Korbmacher, 1 Maler, 2 Ofensetzer, 2 Sattler, 3 Schlosser, 3 Schmiede, 6 Schneider, 6 Schuhmacher, 4 Tischler, 2 Seilmacher, 1 Uhrmacher, 2 Elektriker, 2 Drogisten, 3 Fahrradhändler, 7 Kolonialwarengeschäfte, 1 Kohlenhandlung, 9 Gastwirtschaften und weitere Handelgeschäfte und Handwerker. 115 Jahre Eisenbahn. Der Bau der Eisenbahn begann am 19. Juli 1872 mit der Strecke Neustadt - Wilthen - Sohland. 1875 begann der Streckenbau Bautzen - Wilthen - Bad Schandau. Beide Strecken wurden am 1. September 1877 eröffnet. Das Postamt wurde am 1. Juli 1877 erwähnt am 15. Juli 1922, wurden die Diensträume vom Bahnhof in das Gebäude Bahnhofstraße 10 verlegt. Heute befindet sich die Poststelle im Tefefon- und Energiedienstleitungsgeschäft des Herrn G. Mann auf der Dresdener Straße 33. Im Jahr 1877, am 1. Oktober, wurde die erste Fernsprechstelle eingerichtet. Seit 1892 besaß Wilthen ein Zollamt. Um 1900 wurde der Grundstein zum jetzigen Kirchenbau gelegt und 1902 erfolgte die Weihe der Kirche. 1911/1912 wurde die Wasserleitung gelegt.

Die erste Schule in Wilthen war eine Kirchschule aus dem Jahr 1651. 1837 wurde in Ober-Wilthen eine neue Schule gebaut. Die noch im Volksmund bezeichnete alte Schule wurde 1878 errichtet und erhielt 1905 den Ost- und Westflügelanbau.

1918 besuchte König Friedrich August Wilthen. Die Schüler standen Spalier. Der Grundstein zur bekannten alten/neuen Schule wurde am 12. Mai 1921 gelegt und 1922 eingeweiht. Wilthen zählte zu dieser Zeit 3.200 Einwohner, davon 500 Schulkinder.